Sonntag, 8. September 2013

Und ihr so am Wochenende?




Panik geschoben ;-)?

Aber selbstverständlich würde sich die liebreizende und friedfertige Frau Spock niemals solchen Aktivitäten hingeben. Vielmehr hat sie das Wochenende damit verbracht, ihre geographischen und kulturellen Kenntnisse zu erweitern! Geographisch durch eine Reise, die sie durch die Weiten unserer schönen Republik unternommen hat, kulturell durch eine Verfestigung ihrer schon bestehenden Erfahrungen mit irischer Musik und Neu-Erfahrungen mit mittelalterlicher Musik. Wenn das nicht ein anspruchsvolles Programm war...

Es beginnt damit, daß ich morgens um halb sechs (nochmals: um halb sechs) an der Bushaltestelle auf die liebe M. warte, um mit ihr zusammen zum Bahnhof zu fahren. Unterbrochen wird diese angenehme Tätigkeit durch einen Fahrradfahrer, der mir samt Gefährt quasi vor die Füße fällt und auf meine an ihn gerichteten Frage, ob denn alles in Ordnung wäre, nur "das kommt alles vom Rock´n Roll" gröhlt. Meinen Einwand, daß es wohl eher an ein paar Bier zuviel liegt (was auch immer er meint), läßt er nicht gelten. Aber da er sich aufrappelt und insgesamt unversehrt scheint, verzichte ich darauf, Einsatzkräfte zu informieren. In diesem Moment erscheint außerdem M., besinnt sich ihrer erzieherischen Aufgaben und tadelt mich, weil ich schon wieder mit Fremden spreche (das soll an diesem Tag noch öfter vorkommen...), um mich dann sicherheitshalber in den Bus zu zerren, der derweil eingetroffen ist.

Es geht zum Bahnhof und von dort nach Erwerb eines Latte macchiatos mit dem ICE Richtung Gießen. Nach dem ersten Stop in einer Großstadt steht auf einmal überraschenderweise Frau B. vor uns, die auf dem Weg zu einer Hochzeit ist. Da wir letztes Jahr gemeinsam schon einmal die Freuden der irischen Musik-Kultur erleben durften, setzt sie sich kurzerhand zu uns, und wir ergehen uns in allerlei intellektuell anspruchsvollen Diskussionen über eben jenen Kulturbereich. Leider können wir sie nicht überreden, die Hochzeit sausen zu lassen und für eine weitere Auffrischung ihres kulturellen Wissens zu sorgen, also verlassen wir sie schweren Herzens in Kassel, von wo aus uns ein Regionalexpress nach Gießen bringt.

Eine freundliche Mitarbeiterin der Bahn erstellt uns dort einen Busplan, mit dem wir das Gelände der kulturellen Erbauung erreichen können. Höchst erfreut machen wir uns auf den Weg, um dann an der Umsteigebushaltestelle festzustellen, daß die Busse zum besagten Gelände nur sonntags fahren. Ein Blick auf den ausgedruckten Plan verrät uns, daß sich die freundliche Mitarbeiterin offenbar im Datum vertippt hat. Nun ja, man ist ja flexibel. Wir erkundigen uns in einer Bäckerei nach anderen Möglichkeiten des Transports. Diese sind gering, so daß wir uns schließlich zu Fuß auf den Weg machen, immerhin verlaufen wir uns nicht.

Schweißgebadet und mit ersten Erschöpfungsanzeichen erreichen wir nach einer Stunde und 20 Minuten unser Ziel. Unsere Map-App verrät uns, daß wir gerade ca. acht Kilometer hinter uns gebracht haben. Wir beglückwünschen uns zu unserer ausgeprägten Kondition und wollen auf das Festival-Gelände, auf dem ein netter Security-Mitarbeiter als erstes auf die Idee kommt, uns unsere Wasserflaschen abzunehmen, auf daß wir den dortigen Umsatz des Getränkeverkaufs ankurbeln. Nach leicht jammervollen Blicken dürfen wir dann zumindest die schon angebrochenen Flaschen behalten. Ich muß sagen, daß ich mir die Frage stelle, was sie mit den ganzen einkassierten, nicht angebrochenen Flaschen tun werden...wir sinken an einem der zum Glück zahlreichen Tische nieder, so nach und nach trudeln noch weitere Mitglieder des Fanclubs...äh...des Kulturvereins ein, und wir ergehen uns in weiteren erbaulichen und lehrreichen Diskussionen über Zukunft und Perspektiven der irischen Folkmusik und ihrer Akteure.

Zu meiner Ehrenrettung sollte ich an dieser Stelle vielleicht mal anmerken, daß ich nicht nur wegen Fiddler´s Green durch halb Deutschland gereist bin, sondern daß auch noch weitere Bands dort spielen, die ich größtenteils nicht kenne. Es ist das letzte open air-Konzert der Saison, und es ist wieder einmal einfach nur toll. Wir haben super Wetter, jede Menge netter Leute, tolle Musik von mittags bis Mitternacht, hinterher wieder einmal nette Plaudereien am Merch, wir werden zu einer Party auf dem Zeltplatz eingeladen, die wir uns aber angesichts der vorgerückten Uhrzeit und dem plötzlichen Erscheinen eines Taxis verkneifen, fallen müde und aufgedreht zugleich in unser Bett im Hotel und wenn ich ehrlich bin, könnte ich immer noch ein wenig Schlaf vertragen...

Ab morgen ist dann wohl wieder seriös angesagt, das dürfte lange Hosen, kein Fan-T-Shirt und neue Aktenberge bedeuten. Aber keine Hoffnung, im Oktober beginnt die kulturell anspruchsvolle Herbsttour ;-).

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