Montag, 16. September 2013

Ausgeklügelte Verweisungstechniken



Um dann auch mal wieder dienstlich zu werden, nicht dass einer meiner geneigten Leser noch denkt, das Leben der Staatsgewalt würde nur aus den zuvor geschilderten Annehmlichkeiten bestehen. Heute nun also ganz besonders dienstlich: Frau Spock hat Bereitschaftsdienst.

Bei der Tagesbereitschaft fühlt man sich neben der Funktion als Kummerkasten für die Probleme aller möglichen Personen auch ein wenig wie die Telefonzentrale zur Verteilung der Anrufer an die richtigen Adressaten.
Während am Vormittag nicht ein Anruf eingeht, was mich dazu veranlasst, in der Zentrale nachzufragen, ob das Telefon überhaupt auf mich umgestellt worden ist (Weiß aber keiner, dann kann ich auch nichts machen…), geht es dann typischerweise in dem Moment los, in dem ich mir das Mittagessen auf den Tisch gestellt habe. Aber Essen wird ja bekanntlich im allgemeinen und im besonderen ohnehin überbewertet.

Heute beschäftigen mich unter anderem die folgenden Probleme:

Ein Polizeibeamter möchte einem betrunkenen Autofahrer eine Blutprobe entnehmen lassen: ich verweise ihn an die zuständige Richterin.
Ein Anrufer aus der Bundeshauptstadt ist der Meinung, dass seine Kontodaten von einer Firma missbraucht wurden: ich verweise ihn an den Dezernenten für Datenschutz. Der Anrufer erzählt mir auch sonst noch so allerlei, um schließlich mit der Frage „Möchten Sie wissen, weshalb ich so penetrant bin?“ zu enden. Ich bin heute vom Diplomatie-Gen geküsst und lasse ihn selbstverständlich diese Geschichte auch noch zum besten geben.
Ein weiterer Polizeibeamter möchte wissen, was es mit den neuesten auf whats app kursierenden Kettendrohungen auf sich hat (könnt Ihr mal sehen, mit was für brandaktuellen Dingen wir uns hier befassen): ich verweise ihn an die Dezernentin für Cybercrime.
Jemand braucht einen Beschluss nach § 100g StPO (Was war das doch gleich?): ich verweise ihn an die für den Buchstaben und die Stadt zuständige Dezernentin.
Die Wachtmeisterin ruft an und möchte irgendeinen Anwalt zu mir durchstellen, der irgendwas über irgendeinen Fall, den ich überhaupt nicht kenne, wissen möchte: ich überzeuge sie davon, dass es –freundlich ausgedrückt- suboptimal ist, wenn ich ihm irgendwas zu irgendeinem Fall, den ich überhaupt nicht kenne, erzähle, zumal ja auch immer die Gefahr besteht, die Ermittlungen zu beeinträchtigen, und bitte sie, den entsprechenden Dezernenten ausfindig zu machen.
Und in der Art geht es weiter…

Woran wieder einmal zu merken ist, dass Tagesbereitschaft bedeutet, für alles und nichts zuständig zu sein: alle rufen erst einmal bei mir an, um dann festzustellen, dass ich nichts für sie tun kann, sondern es jemand anders tun muss. Und ich bin nebenbei gesagt eine große Freundin davon, dass die Fälle gleich von demjenigen bearbeitet werden, der das ohnehin tun sollte.
Jedenfalls sitzt Frau Spock mit geradezu waldfeenhafter Gelassenheit an ihrem Schreibtisch und harrt weiteren Klingelns.

Zugegebenermaßen mag ich Bereitschaftsdienst. Nie führt man sonst so viele nette Telefonate, die alle mit den Worten „Sind Sie die Bereitschaftsstaatsanwältin?“ beginnen (Und allein die Möglichkeiten, auf diese Frage zu antworten, sind exorbitant und reichen von einem einfachen „Ja“ über „Nein, die Putzfrau, aber ich dachte, ich könnte auch mal ans Telefon gehen“ bis zu „Eigentlich bin ich der Wissenschaftsoffizier, aber versuchen wir´s doch mal.“ Aber keine Sorge, selbstverständlich verkneife ich mir –fast- jedwede Ironie in solchen Fällen.).

Aber jetzt gibt es erst einmal wieder business as usual. Falls man hier irgendetwas als normal bezeichnen kann…;-)

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