Mittwoch, 11. Juni 2014

Befragungen mal anders oder die Wechselspiele des Lebens

Schon ist wieder fast die Mitte des Junis erreicht und noch nichts gebloggt bisher. Ich schäme mich zutiefst, aber habe natürlich auch eine gute Ausrede: Frau Spock hat nämlich gearbeitet. Das ist ja nun grundsätzlich nichts neues, aber diesmal habe ich mich aushilfsweise in ein völlig anderes Metier begeben. Ich könnte jetzt behaupten, daß ich das getan habe, um auch mal den Alltag anderer werktätiger Menschen kennenzulernen, aber die grausame Wahrheit besteht darin, daß ich meiner vom Umzug noch arg gebeutelten Kasse eine kleine Finanzspritze gönnen wollte ;-).

So begab es sich dann also, daß Frau Spock das Pfingstwochenende auf einem Mittelalterfestival als Verkäuferin von Würstchen und anderem Grillgut tätig ist. Selbstverständlich in angemessener Gewandung, immerhin! Das Fazit vorab: es ist heiß, staubig, rußig, hektisch, und ich mache nach vielen Jahren wieder einmal die interessante Erfahrung, daß man als Aushilfe zum einen für dumm gehalten wird und im übrigen grundsätzlich an allem schuld ist, was nur schiefgehen kann. Ich halte mich ja durchaus für fähig, die 5 Euro-Scheine immer mit dem Silberstreifen nach rechts in die Kasse zu legen (den Sinn dessen konnte mir niemand erläutern, aber das war unwahrscheinlich wichtig) oder von den gegrillten Würstchen immer das rechte zuerst zu nehmen, aber so richtig glaubhaft kann ich das scheinbar nicht rüberbringen...die Kunden allerdings sind weitgehend unglaublich freundlich, ich bekomme sogar Trinkgeld und führe jede Menge lustiger Kurzgespräche.

Und es gibt einen immer wiederkehrenden Dialog. Mindestens 637 Mal in drei Tagen. Der geneigte Leser möge sich selbst die verschiedenen möglichen Kombinationen überlegen ;-):

Kunde: Einen Drachenspieß bitte.
Frau Spock: Mit Hähnchen- oder mit Schweinefleisch?
Kunde: Äääähm, Hähnchen.
Frau Spock: Mit süßsaurer Sauce oder ohne?
Kunde: Äääähm, ohne, Sie stellen aber auch viele Fragen...

Ausgefeilte Befragungstechnik würde ich mal behaupten, mache ich schließlich ständig ;-).
Nach drei Tagen tun mir die Füße weh, ich bin unglaublich müde, habe nicht mehr den geringsten Appetit auf Fleisch, aber habe mich irgendwie auch ziemlich amüsiert bei alldem.

Und dann kommt der Dienstag und ich finde mich vor Gericht wieder, treffe Entscheidungen...oder heute: ich halte einen 4-stündigen Vortrag vor Steuerfahndern, plötzlich zweifelt niemand mehr meine Kompetenz an, statt dessen werden mir jede Menge Fragen gestellt und das, was ich sage, doch tatsächlich als richtig hingenommen. Schon ein seltsamer Wechsel. Ich stelle wieder einmal fest: meine Seite ist die bessere, und ich lerne meinen Beruf mal wieder neu zu schätzen. Hat ja durchaus was ;-).

Kommentare:

mr Sushi hat gesagt…

Viiel viel besser als Drachenspieße fände ich Sushi...
Obwohl ein Drachenspieß aus den Händen von MrsSpock hätte und hat natürlich auch was :-P

Spock hat gesagt…

Kaufste dir halt Sushi, gibt's ja an jeder Ecke...