Kann es wirklich sein, daß dieses Lied schon so alt ist wie ich (oder vielleicht sogar älter *hoff*?). Aber jedenfalls paßt es heute:
Es war ein schöner Tag
der letzte im August
Zeit mal wieder für eine kleine Bilanz, nein nicht dieses Sommers, aber zumindest des heutigen Tages:
- nach dem üblichen Morgenwahnsinn begebe ich mich mal wieder zu meinen Polizisten, auch wenn ich mich nach dem ganzen Schlamassel ein wenig frage, was ich dort eigentlich mache. Ich gönne mir zur Stärkung der Seele vorher einen Cappuccino und plaudere ein wenig mit einer anderen Dozentin. Unterricht ist wie immer gut, ich habe gerade eine tolle Lehrgruppe. Ich mache mich zusätzlich beliebt, indem ich mehrere Wespen mit Hilfe einer Zeitung erlege.
- Ich suche ein Einkaufszentrum auf, um die letzten Geschenke für Kind klein zu kaufen. Als Belohnung für meine großartige Unterrichtsleistung leiste ich mir außerdem zwei neue Jeans. Geschenke finde ich aber auch. Wer ist auf die Idee gekommen, daß der Kleine schon zwei werden soll, der war doch eben noch in meinem Bauch?
- Wieder zuhause beginne ich das Highlight des Tages, indem ich die Akkorde meines Lieblingsliedes, die mir der Sänger, den ich neulich noch mondkalbmäßig angegrinst habe, entzückenderweise auf meine Bitte hin zugeschickt hat, in Noten umwandele. Es klappt sogar einigermaßen. Auf Klarinette hört es sich noch ein wenig gewöhnungsbedürftig an, aber auf der Flöte gefällt es mir richtig gut. Musik ist toll!
- Ich melde das zurückkehrende Kind groß für nächstes Jahr zum Schüleraustausch mit Frankreich an. Der nächste warum-sind-meine-Kinder-schon-so-groß-Flash.
- Ich fahre Kind groß zum Kindergeburtstag und hole Kind klein und mittel aus dem Kindergarten.
- Ich beende die von Kind mittel daselbst angefangene Bastelarbeit, ausgerechnet ich...
- Nachmittagsgewusel
- Kind groß vom Geburtstag wieder abholen und mitsamt Freundin dort zum Übernachten abliefern.
- Mann hat lecker gekocht
- gebloggt
Eigentlich echt nicht viel los heute, aber ein schöner Tag, der letzte im August eben.
Aber mal ehrlich, ein bißchen hat das schon was von Wandertag, wenn ein Drittel meiner ehrwürdigen Behörde vor selbiger auf einen Bus wartet, jeder auf einer Liste abgehakt wird und dann noch der Organisator im Bus alle durchzählt. Wir bekommen wieder wichtige Namensschilder, die scheinen es in letzter Zeit auf mich abgesehen zu haben, nachdem uns noch Chef-himself alle mit Handschlag begrüßt hat. Die Stimmung ist jedenfalls gut, bis der Busfahrer den Fehler macht, etwas über EG-Gesetze zu erzählen. Kleiner Tipp für die Nicht-Juristen unter meinen Lesern: in Gegenwart einer ganzen Ladung voller Juristen sollte man das Wort Gesetz nicht einmal erwähnen, wenn man nicht Gefahr laufen möchte, einen längeren Vortrag anhören zu müssen. Von mir an dieser Stelle nur der kurze Hinweis, dass es keine EG-Gesetze gibt ;-). Wer näheres wissen möchte, melde sich bei mir.
Dieses Jahr führt uns der Ausflug jedenfalls in einen Wildpark, den ich zwar schon kenne -mit drei Kindern bin ich in sämtlichen Zoos und Tierparks der Umgebung zuhause-, aber in dem ich schon länger nicht mehr war. Wir werden zur Einstimmung von einem Offiziellen Marke Waldschrat begrüßt und können außerdem bewundern, wie einer der rangerartigen Mitarbeiter ein gewaltiges Lagerfeuer entzündet. Dann bekommen wir ein Frühstück mit abgezählten Brötchen, aber ich kann genau beobachten, wie mein Lieblingskollege sich heimlich zweimal ans Buffet schleicht. Aber man muß wohl bedenken, daß er alleine lebt und nicht immer regelmäßige Mahlzeiten bekommt.
Während des Frühstücks wird der Höhepunkt des Tages vorbereitet: wir bekommen alle einen Zettel mit einem Tier darauf und finden uns in Gruppen für eine Wildpark-Rallye zusammen. Ich bin übrigens in der Uhu-Gruppe. Mit dabei ein Abteilungsleiter (allerdings nicht der Telefonmuffel), ein Gruppenleiter, der Geschäftsstellen-Guru der Abteilung für Mord und Totschlag und drei nette Mädels. Wir bekommen etliche Seiten Papier zum Bearbeiten und machen uns auf den Weg. Startpunkt, wer hätte es gedacht, die Uhus, die es nun erst einmal zu finden gilt. Während wir Mädels eifrig Fragen beantworten, besprechen Abteilungs- und Gruppenleiter ca. eine Stunde lang wichtige Dienstgeschäfte, und wir müssen aufpassen, daß sie uns nicht unterwegs abhanden kommen. Ich nutze zwischendurch die Gelegenheit, einen vorbeikommenden Jäger und eine Tierpflegerin auszufragen und so schon eine Menge der Fragen beantworten zu können. Einiges googeln wir auch...
Als wir schließlich feststellen, daß es mit der Zeit knapp wird, packt den Gruppenleiter auf einmal der Ehrgeiz, und er treibt uns unbarmherzig voran. Wir rasen von einem Gehege zum nächsten, was aber nicht bedeutet, daß wir uns die Tiere ansehen würden, vielmehr lesen wir nur die dazugehörigen Tafeln. Aber wir schaffen es schließlich tatsächlich, alle Fragen zu beantworten und als erste wieder am Grillplatz zu sein. Hier müssen wir noch einige Geschicklichkeitsspiele absolvieren, und ich stelle fest, daß ich gar nicht so schlecht im Darts-Werfen bin, dann haben wir Pause, und so nach und nach trudeln auch die anderen ein.
Aber Pause gibt es nicht. Statt dessen geht es zu einer Flugshow der Greifvögel. Die ist auch wirklich beeindruckend, auch wenn ich gerne darauf hätte verzichten können, daß ein riesiger Uhu mit gerade mal 2 cm Abstand über meinen Kopf hinweg saust. Dann gibt es endlich einen Kaffee und ein wenig Kuchen, während Chef-himself und Kollege-Oberschlau sich schon mal daran machen, den Grill anzufachen. Dieses Trauerspiel will ich mir allerdings lieber nicht ansehen und zerre daher meinen mit leichten Erschöpfungszuständen kämpfenden Lieblingskollegen zur Wolfsfütterung. Hier erfahren wir, daß die Wölfin leider depressiv ist und sich wohl deshalb nicht blicken lassen wird.
Also wieder zurück, der Grill ist wider Erwarten doch heiß geworden, und bald brutzeln die ersten Würstchen. Es dauert aber alles ziemlich lange, und das Salatbuffet ist schon geplündert, bevor noch alle ihr erstes Stück Fleisch bekommen haben. Aber zumindest die Getränke reichen. Irgendwann sind alle versorgt, und angenehme Plaudereien breiten sich aus. Ich überlege, ob ich den Lieblingskollegen um eine Zigarette anschnorren soll (psst, weglesen!), aber er ist gut erzogen und geht zum Rauchen immer woanders hin, ohne daß ich es mitbekomme. Bleibe ich also weiter abstinent, ist ja schließlich eh gesünder.
Schließlich versammeln sich alle um das immer noch brennende Lagerfeuer zur Siegerehrung. Die Uhu-Gruppe belegt sowohl bei der Rallye als auch bei den Geschicklichkeitsspielen einen furiosen zweiten Platz. Erstaunlicherweise gewinnt in allen Disziplinen die Gruppe von Chef-himself...danach wird gesungen. Da wir leider noch keine Behörden-Hymne haben, gibt es eben bekannte Lieder. Super, "Country roads" kann ich lautstark mitschmettern, während Lieblingskollege neben mir vor sich hin brummt und einer der Gruppenleiter gar ganz boykottiert. Chef-himself ist jedenfalls begeistert und freut sich vermutlich schon auf die Weihnachtsfeier, bei der mußten wir letztes Jahr auch singen.
Dann geht es nachhause, wieder durchzählen im Bus, etwas gedämpfte Stimmung, weil die meisten müde sind oder aber die gewonnenen Gummibärchen verputzen. Hinter mir sitzt die Vertreterin von Chef-himself, und ich bekomme allerlei Interna zu hören, die wahrscheinlich nicht für meine Ohren bestimmt sind.
Den spektakulären Höhepunkt des Tages gibt es dann aber zuhause, als Kind groß bei meinem Anblick ausruft: "Mami, Deine Haare sehen heute aber echt cool aus!" Na bitte, besser kann´s doch nicht gehen :-).
Was für ein blöder Spruch! Und was für ein wahrer! Wie immer hält auch in Ausnahmesituationen das Leben einfach nicht an, sondern die Erde dreht sich einfach weiter. Und ich drehe mich mit. Vielleicht ist es auch gut so, denn letztlich ist es das, was mich im Flow hält und dafür sorgt, daß ich aus meinen Löchern auch wieder herauskrabbele.
Heute ging nun vor allem die Jugendgerichtsverhandlung von vor ein paar Wochen weiter. Inzwischen weiß sogar schon die Mittlere, daß eine weiße Bluse Gerichtstermin bedeutet, ich trage die wohl zu selten im normalen Leben.
Ich bin wieder früh in der betreffenden Stadt und gönne mir noch vor dem Termin einen Latte macchiato in einem der zahlreichen neuen Cafés dort. Ich sitze draußen in der Sonne, es ist zwar noch etwas frisch, aber es gibt dort eine Decke, in die ich mich einmummeln kann. Herrlicher Tagesbeginn, das sollte man eigentlich immer so machen.
Nach mehreren Jahren Berufserfahrung fällt es mir inzwischen leicht, mich von der Privatperson in die offizielle Person zu verwandeln und mit strenger Miene auf meiner Seite des Gerichtssaals zu sitzen. Heute stehen zahlreiche Zeugen auf dem Programm. Wie fast immer bei Jugendgerichtsverhandlungen kommt die Vernehmung jugendlicher Zeugen einer Märchenstunde sehr nahe. Immerhin war heute zumindest nicht bei allen das Erinnerungsvermögen wie durch Zauberhand ausgelöscht, aber dafür haben wir eine Menge über die Beziehungen oder Nicht-Beziehungen der Kandidaten erfahren. Irgendwie läßt sich dann auch aus dem Ganzen eine einigermaße plausible Geschichte zusammenbasteln, woraufhin es der Angeklagte auf einmal vorzieht, ein Geständnis abzulegen. Das hätte er auch gerne schon beim letzten Mal tun können, dann hätten wir uns den heutigen Termin sparen können, so schön der Besuch vorher im Café auch war.
Also kann ich plädieren, und dann gibt es endlich eine Mittagspause, während sich das Gericht berät. Man merkt deutlich, daß der Vorsitzende Richter ein Mann ist, denn er verhandelt ohne Pause durch, während mein Magen schon deutlich knurrt. Ich beantrage übrigens eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Das kommt nicht so häufig vor, aber ich kann das trotzdem und dabei dem Angeklagten sogar in die Augen sehen, während ich ihm erzähle, daß ich unter anderen Umständen -wenn er nämlich ein Erwachsener wäre- mindestens das doppelte beantragt hätte.
Nach dem sehr eiligen und kärglichen Mittagessen gibt es das Urteil: 2 Jahre und 6 Monate, die Prognose für hinterher auch nicht gerade rosig, das hat sogar die Vertreterin vom Jugendamt erklärt, und die Damen sind normalerweise hoffnungslos optimistisch. Ich fahre noch kurz ins Büro, um die heutige Post zu erledigen, dann reicht es auch. Funktionieren tue ich jedenfalls, aber das hat wohl auch niemand anders erwartet ;-).
zerplatzt es wie Seifenblasen: Hoffnungen, Lebensträume, mal eben, ganz kurz vor dem Ziel, und dann sagt einem noch derjenige, der einem die Hoffnung gemacht hat, man solle es doch bitte nicht persönlich nehmen, na vielen Dank auch.
Und was macht man dann?
Laute Musik - done
auf´s Sofakissen einschlagen - done
wüste Rachepläne überlegt - done
Aber richtig besser wird es nicht...
...Anzeigenerstatter, Geschädigte, Denunzianten oder wer sonst noch meint, mich während meines Bereitschaftsdienstes mit irgendeinem Quatsch belästigen zu müssen: ich höre mir das geduldig alles an, spiele gerne die Telefonseelsorge für Euch, biete super Lösungsvorschläge an und bin auch bereit einen Kurs über psychologische Betreuung notorischer Nervensägen zu machen, um Euch noch besser beraten zu können.
Aber beachtet bitte eines: sollte ich schlecht gelaunt sein, so wie es heute der Fall war, solltet Ihr mich nicht am Telefon anpöbeln. Meine kampfsportgeschulte Stimme wird auf jeden Fall lauter als Eure sein und wenn auch einer der Abteilungsleiter meint, nicht mit Euch fertig zu werden (übrigens hat er eine Gehaltsstufe mehr...), ich werde es auf jeden Fall.
Haben wir uns verstanden? Danke! Dann bis zum nächsten Mal in freundlichem Tonfall...
Oder auch mittelschwerer Frust...das Wichtige scheint ganz knapp nichts geworden zu sein. So ein Sch...ich ärgere mich gerade so richtig!
...tue ich etwas wichtiges, von dem ich hier leider nicht sagen kann, was es ist. Aber wenn es weiter so heiß ist, könnte es mich ganz schön ins Schwitzen bringen, zumal auch noch in-Schale-werfen angesagt ist.
Daumen und Zuspruch werden jedenfalls gerne genommen ;-).