Donnerstag, 7. März 2013

Die Sache mit den Harfen...

Wenn man schon einem gewissen Alterungsprozess unterworfen ist, den man nicht verhindern kann (wie lange darf man eigentlich in der Midlife-Crisis bleiben?), dann ist es doch schön, wenn einem solche Tage mit entsprechendem Equipment versüßt werden.
Eine Tasche mit Harfe und Noten, der reinste Traum! Und so passend zum Konzert am Wochenende, da wird das gute Stück sicherlich seine Premiere haben...
Danke, danke, danke!

Dienstag, 5. März 2013

Die juristische Sprache...

…zeichnet sich vor allem durch ihren vielen langen und zusammengesetzten Wörter aus. Fängt man einmal an, sich damit zu beschäftigen –ob das nun empfehlenswert ist, mag dahingestellt sein, aber es gibt ja Menschen, denen gefallen solche Ausdrücke-, wird man auf allerlei erstaunliche Wendungen und im übrigen eine zeitweise irritierende Tendenz zur Substantivierung stoßen.

Beginnen wir einmal mit dem Steuerrecht, dort bin ich schließlich am meisten zuhause:

Zunächst einmal ist die Einkommensteuererklärungsabgabefrist zu beachten, daraufhin durchläuft das ganze das Veranlagungsverfahren, um schließlich in der Bekanntgabe zu enden. Unwillige Zahler bekommen eine Zahlungsaufforderung, es werden in so einem Fall im übrigen Säumniszuschläge festgesetzt. Wem der Einkommensteuerbescheid nicht gefällt, der kann dagegen Einspruch einlegen, muss dabei aber unbedingt die Rechtsbehelfsfrist beachten, um dann einen Einspruchsbescheid zu erhalten, gegen den man, wenn es dann gewünscht ist, eine Anfechtungsklage beim Finanzgericht einlegen kann, vielleicht noch gewürzt durch einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung. Nicht zu vergessen, dass man sich hinterher sogar innerhalb der Revisionsbegründungsfrist an den Bundesfinanzhof wenden könnte und danach mit viel Glück noch eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht möglich ist. Mal ehrlich, schon allein das Steuerfestsetzungsverfahren bietet auf diese Weise Anknüpfungspunkte für zahlreiche Höhepunkte des juristischen Sprachgebrauchs.

Aber auch mein tägliches Arbeitsgebiet ist geradezu eine sprachliche Spielwiese. Zunächst einmal gebe ich den Namen des Beschuldigten in die Straftäterdatenbank ein, um einen Bundeszentralregisterauszug zu erhalten. Um einmal im Bereich des Steuerstrafverfahrens zu bleiben, wird zunächst geprüft, ob der Anfangsverdacht einer Einkommensteuerhinterziehung vorliegt, oder man vielleicht sogar ein Umsatzsteuerkarussell, welches häufig bei Umsatzsteuersonderprüfungen entdeckt wird, vorfindet oder aber ob der Beschuldigte so geschickt war, eine der vielen im Steuerrecht existierenden Strafbarkeitslücken zu entdecken. Ich übergebe solche Verfahren dann üblicherweise erst einmal dem Steuerfahndungsdienst, der nach mir nach den Ermittlungen, die häufig von Durchsuchungsmaßnahmen begleitet werden, eine Steuerverkürzungsberechnung zur Verfügung stellt, anhand derer ich eine Anklageschrift verfassen kann, wobei ich mir stets die Frage stellen muss, ob die Steueränderungsgesetze zu beachten sind, es Ausnahmeregelungen gibt oder gar das Rückwirkungsverbot eingreift. Oft warte ich vorher auch noch die Verteidigerstellungnahme ab, die häufig schon einen Einblick in die Verteidigungsstrategie liefert, die verfolgt wird, damit ich bei Anklageverfassung entsprechende Argumentationstechniken verwenden kann, hierbei ist natürlich die einschlägige Kommentarliteratur stets hilfreich, man kann sich auch mit Rechtsprechungsübersichten über Wasser halten.
Irgendwann gibt es dann einen Eröffnungsbeschluss und einen Hauptverhandlungstermin, in dem man, wenn man ganz viel Glück hat, auf Zeugenvernehmungen verzichten kann, weil es nach einem informellen Rechtsgespräch eine tatsächliche Verständigung gibt…auch Deal genannt. Aber selbst nach einem solchen Deal könnte der Angeklagte unter Beachtung der Berufungseinlegungsfrist Rechtsmittel einlegen, ein Rechtsmittelverzicht ist in so einem Fall nicht möglich. Oder wie wäre es mit einer Sprungrevision? Dann hätte auch die Bundesanwaltschaft endlich einmal was zu tun…und wenn es nur die Erstellung einer Revisionsgegenerklärung ist…

Ende der juristischen Lehrstunde, nichts unter vier Silben für mich bitte, offenbar hatte ich ohne Computer zu viel Zeit in den letzten Tagen ;-).

Montag, 4. März 2013

Ich sag ja, Aussicht auf Frühling!

Nachdem ich heute mal einen anderen Teil meiner Stadt aufsuchen mußte, bot sich mir ganz überraschend dieser Anblick. Da weiß man doch wieder, weshalb es so schön ist, am Meer zu leben. Übrigens schon der zweite sonnige Tag hintereinander, kaum zu glauben. Jetzt noch 15 Grad mehr, dann werde auch ich langsam davon überzeugt, daß der Frühling kommt.

Nachdem ich entgegen meiner ursprünglichen Pläne am Wochenende nicht im Büro war, betrete ich selbiges heute morgen gut gelaunt, nur um festzustellen, daß mein Computer immer noch nicht funktioniert, was dazu führt, daß meine Stimmung sich um einiges abkühlt. Im Eingangsfach ein Stapel von fast einem Meter Höhe, der Stapel von letzter Woche von ähnlichem Ausmaß, dazu zwei volle Fächer auf den Geschäftsstellen und offenbar immer noch keine Möglichkeit, dagegen etwas zu tun.

Ich fische mir zumindest den Teil der Akten heraus, die ich ohne Computer bearbeiten kann -es sind erschreckend wenige-, motze ein wenig vor mich hin und erreiche schließlich endlich unseren Haupt-Techniker, der letzte Woche passenderweise Urlaub hatte. Er hat bereits von meinem Problem gehört, mit irgendwem telefoniert und erfahren, daß ich deswegen noch keine neue Steckdose habe, weil sich unser Gebäudemanagement mit der Lieferfirma über die Garantie streitet, und man sich nicht sicher ist, ob diese Steckdose nun zu bezahlen ist oder nicht...ich bin wieder einmal versucht, eine Tischkante für meinen Kopf zu suchen, aber Beulen sind in so einem Fall vermutlich auch nicht besonders hilfreich.
Unser Techniker erweist sich aber als überraschend findig, denn er erscheint wenige Minuten später mit einer Steckdose in der Hand, die er nach seiner Auskunft in einem anderem Raum ausgebaut hat. Ich frage lieber nicht nach, in welchem...innerhalb von wenigen Minuten ist mein Rechner wieder in Gang gesetzt, und ich mache mich daran, den Stapeln zu Leibe zu rücken. Ein Postausgang von 1,5 m ist durchaus ein befriedigender Anblick, aber noch sind genügend Reste da...

Sonntag, 3. März 2013

Ein ganz normaler Sonntag

Ich weiß ja nicht, was die ganzen Eltern, die mir immer erzählen, ihre Sprößlinge würden morgens bis 9 Uhr schlafen, selbigen geben, damit sie das tun, bei mir beginnt der Sonntag jedenfalls gegen 5.30 Uhr, als mich Kind klein mit den zärtlichen Worten "Sind wir schon wach, Mami?" begrüßt. Nein, mein Schatz, WIR sind definitiv nicht wach.
Daraufhin stürzt er sich mit dem begeistertem Ausruf "Heute ist Ostern!" auf Kind mittel, aber die nimmt derlei Aussagen gelassen hin und erweist sich im übrigen als Phänomen. Nachdem sie gestern noch teils apathisch, teils vor Schmerzen weinend mit einer Mittelohrentzündung auf dem Sofa gelegen hat, schließlich noch nachmittags im Krankenhaus beim Notdienst war, was mir eine Odyssee zu verschiedenen Apotheken eingebracht hat, um das entsprechende Antibiotika zu besorgen, erklärt sie mir jetzt mit ihrem gewohnten Temperament, daß es ihr wieder gut ginge und sie schwimmen gehen wolle. Daraufhin entschließen sie und Kind klein sich erfreulicherweise, woanders Unheil anzurichten, und ich falle sofort wieder in meinen halb komatösen Zustand zurück, der erst endet, als ich es verdächtig klirren höre und Kind mittel auf dem Küchenschrank stehend vorfinde, damit beschäftigt, die Spülmaschine auszuräumen und soeben ein Weinglas balancierend. Solche Tendenzen soll man ja eigentlich nicht unterbinden, so daß ich nur die Weingläser in Sicherheit bringe und sie ansonsten gewähren lasse.

Nach dem Frühstück entschließe ich mich, schwimmen zu gehen, allerdings ohne Kind mittel, was sie "voll ungerecht" findet. Stimmt ja auch, aber dennoch kann ich mir dazu nicht viel mehr als den Ausspruch meines Lieblingsprofessors abringen, der da lautet "Was ist schon gerecht?" Ohne daß ich mich um die Zeiten eines Schwimmkurses scheren muß, kann ich endlich mal solange schwimmen, wie ich will, was ich sehr genieße, wenn ich mich auch immer wieder wundere, weshalb so viele Frauen im Schwimmbad sind, deren Hauptziel darin zu bestehen scheint, keine nassen Haare zu bekommen und die mir ständig vor der Nase herumschwimmen. Wenn ich jünger wäre, würde ich sie vermutlich naß spritzen...schließlich zerrt mich Kind groß mit erschöpftem Gesichtsausdruck aus dem Wasser, und wir gehen nachhause. Ohne den sonst üblichen Cappuccino, wie ich anmerken möchte, das allerdings auch nur, weil wir den für später geplant haben...

Ich lungere ein wenig an meinem Schreibtisch herum, bevor es wieder losgeht, da heute hier verkaufsoffener Sonntag ist und Kind groß zu diesem Zweck einige Wünsche angemeldet hat. Also auf ins Gewühl, und ich folge ihr geduldig, was bedeutet, daß ich mich unter anderem längere Zeit in der Drogerieabteilung (das Kind hat schon mehr Kosmetika, als ich in meinem ganzen Leben besessen habe...) sowie in der Nähabteilung aufhalten darf. Danach begeben wir uns in unser gemeinsames Lieblingscafé, das sich mitten in einer Buchhandlung befindet und auf diese Weise ein äußerst erfreuliches Ambiente aufweist, und ich bekomme endlich meinen Latte macchiato und, in Anbetracht von geschwommenen 50 Bahnen, ein großes Stück Mangotorte. Die ist so lecker, daß sie sofort auf den Index gehört!

Wieder zuhause beweist sich mein untrügliches Gespür für Timing, denn das Essen ist fast fertig. Hinterher gibt es ein wenig Musik, und ich entdecke im Garten den ersten Frühlingsboten, der oben zu sehen ist. Dann fange ich an, meinen Schreibtisch aufzuräumen und wundere mich, daß mein Schreibtisch im Büro und meine Akten so vorbildlich ordentlich sind, hier aber latentes Chaos herrscht. Aber man muß ja mal anfangen...

Und heute abend? Vielleicht mal was ganz spektakuläres, Steuererklärung machen oder so. Wobei auch hier gilt, daß ich mich lieber mit fremden beschäftige ;-).
Ganz  normaler Sonntag halt, nichts aufregendes los...
But there´s something special to find in everything!

Samstag, 2. März 2013

Moonlight and Vodka

Aber halt, mir wurde ja empfohlen -und nicht ganz zu Unrecht- mich von Vodka fernzuhalten. Der Mond scheint auch nicht, weil aus irgendeinem unerfindlichen Grund das Wetter heute meinte, wieder reichlich schlecht werden zu müssen.

Zum Glück gibt es ja auch noch andere Möglichkeiten, sich nach einem langen Tag zu entspannen, und eine der erfreulichsten besteht darin, ein schönes Glas Wein zu trinken und dazu Schokolade zu essen, was ich soeben getan habe...vorzugsweise sollte man Rotwein nehmen, aber wie ich gerade feststellen konnte, tut es zur Not auch ein kräftiger Weißwein. Und noch besser als Kinderschokolade wären dunkle Trüffel...

Wie immer bin ich aber die Meisterin der Improvisation und nehme eben das, was da ist. Nach einem Tag, der um 5.15 Uhr begonnen hat, könnte es allerdings sein, daß diese Kombination dazu führt, daß selbiger Tag gleich recht abrupt beendet ist.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: es ist März!!!!! Das bedeutet: Frühling in Sicht, auch wenn das hier im Norden immer ein wenig länger dauert. Das erste Konzert der Saison nächstes Wochenende in Aussicht, ein Mädelswochenende gleich darauf, eine Woche Urlaub in Bayern, und dann folgt auch schon der April, in dem es ähnlich zugehen wird...höchste Zeit, mir ein Programm für Mai zu überlegen ;-)

Dienstag, 26. Februar 2013

Die heutige Bilanz

Das hatten wir ohnehin lange nicht mehr:
  • Mann hat Frühdienst, also Morgenwahnsinn alleine. Von der Tatsache einmal abgesehen, daß Kind klein seinem Hörnchen lieber eine längere Geschichte erzählt, anstatt es zu essen, gestaltet es sich aber relativ harmlos.
  • Ich liefere Kind klein im Kindergarten ab und begebe mich mit Kind mittel zum Schularzt. Teilweise sichtlich unterfordert löst sie alle Aufgaben. Der Schularzt, hinterher benötigt er vermutlich erstmal eine kurze Phase der ruhigen Meditation, bestätigt mir bereits nach wenigen Minuten, daß dieses Kind dringend in die Schule muß. Ahnte ich es doch.
  • Da der Arzt erst mit Verspätung erschienen ist, liefere ich Kind mittel in Windeseile im Kindergarten ab und sause ins Büro. Hier erwarten mich bereits mein Referendar und ein riesiger Stapel Akten. Ich bespreche die Akten für seinen morgigen Gerichtstermin mit ihm und gebe ihm bei der Gelegenheit auch noch ein paar Akten zum Bearbeiten mit, leider keine von meinen...
  • Ich scheuche ihn aus meinem Büro und will mich dem Stapel widmen, als ich feststelle, daß mein Computer auch nach drei Neustarts leider nicht in der Lage ist, eine Verbindung zum Netzwerk herzustellen. Sämtliche Computerspezies sind nicht erreichbar. Als ich schließlich doch einen erwische, stellt er fest, daß meine entsprechende Steckdose kaputt ist. Er verspricht, sich sofort an die Hotline zu wenden und die Lieferung einer neuen zu beantragen, nächste Woche dürfte es soweit sein.
  • Ich sitze eine Weile mit leicht fassungslosem Gesichtsausdruck an meinem Schreibtisch und überlege, wie ich in den nächsten Tagen arbeiten soll.
  • Immerhin erledige ich den Teil der Post, der keinen Computer benötigt, und gehe dann ausgiebig Mittag essen.
  • Als sich der erste meiner Kollegen verabschiedet, stürze ich an seinen Rechner und logge mich dort ein, um zumindest einmal meine dienstlichen Emails zu checken und nach dem Aktenzeichen der Akte suchen zu können, die ich morgen für eine Besprechung brauche. Hat ja durchaus Vorteile, die dabei zu haben.
  • Ich lese die Akte sogar, als Kind groß erscheint, um mit mir zum Tag der offenen Tür ihrer Ballettschule zu fahren. Sie hätte zwar auf meine Anwesenheit dort gerne verzichtet, aber ich zwinge sie, mich mitzunehmen ;-). Noch schlimmer, ich nutze die Gelegenheit, dort zahlreiche Fotos von ihr zu machen, immerhin kann sie sich nicht wehren, sondern hat elegant den Weisungen ihrer Lehrerin Folge zu leisten, wie praktisch...
  • Auf nachhause, Abendwahnsinn und bloggen, jetzt sind gleich wohl mal wieder ein paar Klausuren dran, falls mir nichts besseres einfällt...

Montag, 25. Februar 2013

Hatte ich mich beschwert?

Über langweilige Gerichtsverhandlungen vielleicht? Nun ja, heute bin ich dann dafür entschädigt worden. Und ich möchte anmerken, daß es vorher einen Cappuccino gab, meine Laune also ganz gut war ;-).

Der erste Fall war mein Haßfall, eine Akte aus meinem alten Dezernat, bevor ich in die Wirtschaft gewechselt bin und die man mir vorher noch schnell untergejubelt hat. Schon zu dem Zeitpunkt war es ein altes Verfahren, für das niemand sich so recht engagiert hat, was nicht ganz unverständlich ist, denn es ist ziemlich verworren und langes Liegenlassen macht solche Fälle nicht gerade besser. Es geht um einige russische Mitbürger, die gestohlene Autos verkauft haben, nachdem sie zuvor deren Fahrgestellnummern durch solche von Unfallwagen, die sie billig aufgekauft haben, ersetzt haben. Ich bin immer noch überzeugt, daß auch der Diebstahl der Autos auf ihr Konto geht, habe aber leider keine Möglichkeit, das zu beweisen.

Die Taten alle aus dem Jahr 2006, und heute schicken wir uns nun endlich an, darüber zu verhandeln. Wieder einmal habe ich eine satte Mehrheit gegen mich, drei Angeklagte nebst Verteidigern und eine Dolmetscherin, die natürlich nichts dafür kann, daß sie auf der falschen Seite sitzen muß ;-). Aber so etwas bin ich ja zum Glück gewohnt, und ich habe ja außerdem meinen Referendar mit auf meiner Seite sitze, den ich zudem aufgrund von leichten Halsschmerzen meinerseits dazu nötige, die nicht ganz kurze Anklageschrift zu verlesen. Ein paar Vorteile muß man ja haben als Ausbilderin...
Nach Verlesung geht es sofort ins Beratungszimmer zu einem der vielen informellen Rechtsgespräche, die ich schon geführt habe. In Anbetracht des Alters der Vorwürfe einigen wir uns nach zähen Verhandlungen auf eine Einstellung unter allerlei Auflagen, und ich unterdrücke nur mit Mühe einen Lachanfall, als einer der Verteidiger berichtet, sein Mandant habe sich inzwischen ein neues Fahrzeug besorgt. Ich möchte dann lieber nicht wissen, was ich unter "besorgen" zu verstehen habe.
Haßfall damit harmloser als erwartet über die Bühne gebracht.

Beim nächsten Fall haben eigentlich alle, inclusive mir und der Richterin, damit gerechnet, daß die Angeklagte nicht erscheinen würde, und wir sind alle reichlich erstaunt, als sie nach Aufruf plötzlich in den Gerichtssaal schwebt. Vorwurf: Wohnungseinbruchsdiebstahl, pikanterweise zweimal in dieselbe Wohnung bei einem Mann, der auch noch bei ihrer Familie als Freund des Hauses ein und aus geht.
Die liebe Frau K. würde über die Angeklagte sagen, daß sie nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, und ich würde ihr ohne zu zögern zustimmen. Großes Erstaunen, daß diesmal -es war nicht die erste Tat- etwas anderes als eine Geldstrafe herauskommen soll.  Ich gebe meinem Referendar die Gelegenheit, das erste Plädoyer seines Lebens zu halten, und er schlägt sich einigermaßen wacker. Ich nutze die sich anschließende Mittagpause, um ihm wertvolle Tipps für sein weiteres juristisches Leben zu geben ;-).

Der letzte Fall naht. Es ist sogar in der Akte vermerkt, daß nicht mit einem Erscheinen zu rechnen sei. Aber auch er überrascht uns und steht plötzlich im Gerichtssaal in Begleitung eines dieser unglaublich smarten Anwälte aus der Großstadt, der sichtlich ein wenig angefressen darüber ist, daß sein Antrag auf Beiordnung als Pflichtverteidiger abgelehnt wurde (das wiederum auf meinen Antrag hin...). Man kann nicht umhin, ihn als reichlich arrogant zu bezeichnen, und er macht sich bei mir nicht gerade beliebter dadurch, daß jeder zweite Satz "Die Staatsanwaltschaft scheint ja zu glauben" lautet. Ich hätte ihm ja gerne einiges darüber erzählt, was ich denn so alles glaube.
Sein Mandant ist im übrigen angeklagt, Frauen im Internet kennengelernt und bei Besuchen Schmuck aus ihrer Wohnung gestohlen zu haben oder aber an ihren Computern allerlei Bestellungen auf ihre Rechnung aber an seine Adresse zu tätigen. Dies nur als Warnung an alle, die sich häufig im Internet aufhalten und dort allerlei Bekanntschaften schließen ;-). Der Angeklagte bestreitet das aber vehement, das sei alles nur die Rache von abgewiesenen Frauen, völlig klar...
Da er nun einmal da ist, vernehmen wir natürlich auch die anwesenden Zeugen, und eine auf 30 Minuten angesetzte Verhandlung dauert mal eben über zwei Stunden, Fortsetzung folgt...

In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit fahre ich nicht mehr ins Büro und schaffe es auch nicht, mit dem Referendar die Akten für seine eigene Sitzung am Mittwoch zu besprechen. Ich bestelle ihn für morgen ein und sause zum Parkhaus, um festzustellen, daß der dortige Kassenautomat nur Geldscheine bis zur Höhe von 10,- annimmt, ich aber natürlich nur einen 20,--Schein habe...Niemand in der Nähe, auch im Gericht kann mir niemand Geld wechseln, so daß ich schließlich gezwungen bin, zur nächsten Straße zu wetzen, dort einen Bäcker aufzusuchen und ein halbes Brot zu kaufen, daß die Kasse gerade geschlossen war und nicht zum Wechseln geöffnet werden kann...na super. Aber wir immer schaffe ich alles noch im letzten Moment.

Aufregend genug? Mir hat´s gereicht...