Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr einen so ein kleines Wesen in Verzückung versetzen kann. Der Kleine ist einfach nur unglaublich niedlich, lächelt, versucht schon zu erzählen und freut sich strampelnd, wenn man zu ihm kommt. Ich könnte ihn stundenlang anschauen.
Und das erste Mal seit Adrians Tod fühle ich mich wieder komplett. Es ist schwer zu beschreiben. Natürlich ist die Lücke noch da, und er fehlt mir. Aber es scheint sich doch dieser Kreis geschlossen zu haben, wie jemand das nannte, und unsere Familie so zu sein, wie sein sollte. Ob es an diesem Geburtsdatum liegt? Vielleicht ist es auch der Zeitablauf nach jetzt doch schon über vier Jahren. Aber es ist jedenfalls ein schönes Gefühl. Adrian wird immer unvergessen sein, ein Teil unserer Familie bleiben, aber jetzt kann ich wohl langsam akzeptieren, daß unsere Familie so ist, wie sie eben ist, mit einem Platz, der leer bleiben muß.
Nachdem ich vor knapp einem Monat ganz plötzlich und ein wenig überraschend zur Beamtin auf Lebenszeit ernannt wurde, bin ich seit Anfang der Woche auch wieder in Amt und Würden. Der Mutterschutz ist vorbei, und ich versuche mich an einer Mischung aus Zuhause und im Büro arbeiten. Bisher ist noch nicht so viel zu tun, aber ich bin sicher, daß in den nächsten Wochen ziemlich viele Akten eintrudeln werden, die meine Vertreter auf Frist gelegt haben. Ich habe jedenfalls einen Vormittag und einen Nachmittag fest, an denen ich alleine ins Büro kann, und ansonsten schaue ich, wie Frank da ist und fahre eben dann nachmittags. Gestern hatte ich den Kleinen auch für eine ganze Weile mit, und er hat das sehr brav mitgemacht, viel geschlafen und sich ansonsten interessiert umgesehen. Ich fürchte, meine armen Kinder werden alle ein wenig juristisch geschädigt gg.
Aber es ist schön, wieder zu arbeiten, das hat mir gefehlt. Zwar werde ich in nächster Zeit noch keine Gerichtstermine wahrnehmen, aber ich habe ja wenigstens meine Akten ;-)) und außerdem nette Kollegen und nicht immer nette Anrufer, die aber doch zumindest meistens recht unterhaltsam sind. Ich bin gespannt, ob es alles so gut klappt, wie ich es mir vorstelle. Mein Abteilungsleiter, der das alles immerhin für mich durchgeboxt hat, wird ab Dezember Chef einer anderen Behörde und ist dann eben weg, und wir wissen noch nicht, wer sein Nachfolger wird. Die nächste Schwangere hat sich auch schon angekündigt, es bleibt also zumindest personell gesehen spannend.
Mein liebster Adrian,
heute ist Halloween, die Nacht in der sich unsere Welten ganz nah sind. Ich glaube daran, daß Du die Kerze sehen kannst, die ich für Dich angezündet habe. Ich hoffe, daß ihr Licht zu Dir scheint und Dir ein wenig Helligkeit bringt, dort wo Du bist. Wenn es heute sternklar wäre, würdest Du bestimmt auch einen Stern für uns blinken lassen.
Deine Mami
Es ist noch ein ganz zartes Lächeln, das der Kleine seit ein paar Tagen hinbekommt, oft noch etwas schief, und man merkt, wie er richtig arbeiten muß, um es zu entwickeln. Aber es verzückt mich zutiefst und rührt mich an. Ich beuge mich über ihn, und seine Augen beginnen zu leuchten, und dann kommt dieses Lächeln. Es ist einfach zu süß. Die Babys wissen schon, wie sie einen um den Finger wickeln können.Auch sonst ist der Kleine einfach entzückend und unwahrscheinlich geduldig, wenn ich bedenke, wo er überall mit hingeschleppt wird. Er entwickelt sich prächtig, wiegt schon über 5,5 kg, schläft nachts bereits an die 6 Stunden am Stück und trinkt wie ein Weltmeister. Es ist wirklich schön mit ihm, und ich kann mir schon gar nicht mehr vorstellen, daß er mal nicht bei uns war.
Insgesamt spielt es sich hier so langsam ein. In den Herbstferien waren wir erst eine Woche in Dänemark ins unserem bald schon Stammhaus. Dort war es ohnehin entspannend. Die Woche danach war allerdings ziemlich anstrengend. Frank war in Bratislava und ich mit allen alleine, dazu der Kindergarten geschlossen, so daß die Mittlere sich ziemlich schnell herzlich langweilte und das mit dem Anstellen von allerlei Unsinn kompensierte. Außerdem hing sie ständig an mir dran, so daß ich nirgendwo alleine hin konnte und kaum eine Minute am Tag für mich hatte. Das nervte teilweise schon ein wenig und als Frank zurück war, habe ich ihm die Meute erst einmal in die Hand gedrückt und mich für eine Weile ins Büro verzogen, das war wie immer sehr entspannend.
Aber seit die Ferien vorbei sind, wird es wesentlich besser. Die Mittlere langweilt sich nicht mehr, weil Kindergarten ist, und ich sehe auch mal wieder anderes von der Welt. Überhaupt ist die Mittlere seit ein paar Tagen irgendwie vernünftiger und macht nicht mehr ganz so viel Quatsch. Neulich erwähnte sie sogar, daß sie nun nicht mehr weglaufen würde, weil das ja nur kleine Kinder machen und sie jetzt zu groß dafür wäre. Hoffentlich erinnert sie sich weiterhin daran gg. Seit ein paar Tagen hat sie inzwischen auch nachts keine Windel mehr, was dadurch kam, daß ich es an einem Abend schlichtweg vergessen habe, ihr eine anzuziehen, Stilldemenz läßt grüßen ;-)). Es klappt aber super, und sie ist ganz stolz. Nächste Woche will sie mit Ballett anfangen, und wir haben ihr gestern dafür ein Trikot gekauft, das sie seitdem kaum noch auszieht. Sie sieht aber auch ganz entzückend darin aus. Ich bin gespannt, wie es ihr gefällt.
Es ist seltsam ungewohnt und vertraut zugleich, wieder ein Baby hier zu haben. Stillen, pflegen, wickeln, das klappt alles, als hätte ich nie Pause damit gehabt. Nichts mehr am Stück beenden zu können, die Augen überall zu haben und außerdem eine Dreijährige daran zu hindern, das Baby vor lauter Liebe zu erdrücken, ist sehr ungewohnt und oft auch anstrengend, weil es vorher doch ganz anders war. Zudem macht die Kleine, na die Mittlere muß ich jetzt wohl sagen, momentan ausgesprochen viel Blödsinn, was sicherlich auch eine Eifersuchts-Reaktion ist, aber das macht es nicht weniger anstrengend, und es tut mir so leid, wenn ich so viel schimpfen muß. Aber sie reagiert auf gute Worte absolut nicht, auf das Schimpfen auch nur sehr in Maßen, wenn ich ehrlich bin. Da gibt es hier noch einiges zu tun, um den richtigen Weg zu finden.
Aber erstmal wollte ich noch ein wenig von dem Kleinen erzählen. Er ist natürlich extrem niedlich gg und auch meistens einigermaßen pflegeleicht, lediglich abends findet er das Leben fast nur auf meinem Arm erträglich. Aber das wird sich noch einspielen. Es ist seltsam, einen Jungen wirklich zu haben, und ich ertappe mich noch häufig dabei, daß ich von ihm als sie rede. Ich schätze aber, bis er das versteht, wird mir das nicht mehr passieren, so daß er keine bleibenden Schäden davontragen wird. Immerhin ziehe ich ihn auch nicht in rosa an gg. Er sieht den anderen dreien aber auch so derartig ähnlich, insbesondere auch der Mittleren als Baby, daß es vielleicht nicht so verwunderlich ist, wenn man sich da mal vertut.
Sein Geburtstag ist genau der Tag, an dem Adrian eigentlich hätte zur Welt kommen sollen. Ich weiß nicht, wieviele Zufälle man im Leben haben kann, aber diesen finde ich schon zu zufällig, um noch zufällig zu sein. Die ganze Schwangerschaft hatte schon so viele Parallelen zu der mit Adrian, daß es mir manchmal richtig unheimlich ist. Darum ist es vielleicht auch nicht so erstaunlich, daß die Geburt dann nicht so glatt lief wie die drei anderen und letztlich in einem Kaiserschnitt endete. Nachdem sich bei der Einleitung nach 24 Stunden noch nichts getan hatte, bekam ich ein ungutes Gefühl, das ich ja ohnehin schon die ganze Zeit hatte, wenn ich an die Geburt dachte, auch wenn ich nicht weiß, weshalb. Wir haben uns dann entschlossen, einen Kaiserschnitt machen zu lassen, weil ich ohnehin völlig verkrampft war und sicherlich auch ein wenig abgedreht. Zum Glück hatten wir eine sehr liebe Oberärztin, die sich ganz viel Zeit für uns genommen hat. Bei den Maßen, die der Kleine hat, wäre es mit einer normalen Geburt vielleicht auch tatsächlich nicht so einfach geworden. Ich denke jedenfalls, daß es so richtig war, auch wenn es ein wenig schade ist, nicht noch ein letztes Mal dieses Geburtserlebnis gehabt zu haben und ich mir ein bißchen wie eine Memme vorkomme, weil ich das nicht durchgezogen habe. Bisher habe ich aber noch meistens auf meinen Bauch gehört, und normalerweise hat er mich richtig beraten. Ich denke, das hat er auch diesmal getan.
Es ist ein wenig gruselig, sich bei vollem Bewußtsein den Bauch aufschneiden zu lassen, obwohl sich alle rührend um mich gekümmert haben. Der Anästhesist hat mir die ganze Zeit über die Hand gehalten und mich auf dem laufenden gehalten. Als mir direkt nach der Narkose der Kreislauf absackte, dauerte es nur Sekunden, bis sie mich wieder hinbekommen haben, und es ging auch wirklich alles total schnell, und der Kleine war schon da. Wir bekamen ihn gleich gezeigt und während ich genäht wurde, konnte ich ihn auf dem Arm halten und danach dann auch schon stillen. Die ersten Tage nach der OP waren nicht ganz so witzig, weil es einfach am Bauch weh tut, dazu kamen noch fiese Nachwehen, die beim 4. Kind ohnehin nicht gerade harmlos sind und gleichzeitig mit der Narbe nicht angenehmer wurden. Aber dafür gab es dann zum Glück einen schönen Schmerzmitteltropf gg. Inzwischen bin ich aber schon wieder sehr fit, passe sogar in einige meiner alten Hosen rein und merke die Narbe kaum noch. Schonen soll ich mich natürlich noch, was nicht immer ganz einfach ist.
Der Kleine entwickelt sich jedenfalls prächtig, trinkt super und ist schon ein ganz handliches Päckchen geworden. Die Mädchen himmeln ihn an, was ihn aber noch nicht so recht interessiert. Auch ihr Lärm beeindruckt ihn nicht im geringsten, aber man muß wohl auch hart im Nehmen sein, um mit zwei temperamentvollen älteren Schwestern zu etwas zu kommen.
Die Große hatte außerdem gestern Geburtstag und ist jetzt schon 10. Unglaublich, daß sie so groß ist! Sie war doch auch gerade erst noch so ein kleines Baby. Gestern haben wir nur "en famille" gefeiert, aber am Freitag kommen ein paar Mädels zum Übernachten, allerdings erst nachdem wir sie vorher in einem Indoor-Spielplatz müde gehetzt haben gg. Auf eigene Arbeit hatte ich dieses Jahr keine Lust, was sicherlich verständlich ist. Ich bin sehr stolz auf mein großes Mädchen, sie ist toll.
...dies ist dein Planet. Hier ist dein Bestimmungsort, kleines Paket.
Freundliches Bündel, willkommen, herein,möge das Leben hier gut zu Dir sein.Ich habe einen quietschlebendigen, gesunden Sohn!