...in meinen Schreibtisch?
So langsam weiß ich, wozu der Mutterschutz da ist. Man möchte den Frauen den Frust ersparen, ihre Akten aufgrund der durch den Bauch bedingten Entfernung ohnehin nicht mehr lesen zu können. Näher ranrücken geht auch nicht, wegen oben erwähnten Bauches. Aber eine Ausbuchtung im Schreibtisch, halbmondförmig, wäre die Lösung. Nur was macht man dann hinterher damit? Vielleicht sollte ich spezielle Schwangeren-Schreibtische entwerfen.
Ich muß zugeben, daß ich jetzt schon nach gerade mal sechs Wochen mein Büro vermisse. Mir fehlt der halbe Tag, den ich einfach für mich habe (auch wenn ich in der Zeit natürlich meine Arbeit erledigen muß), meine Fälle, der Plausch zwischendurch mit den Kollegen, sogar Streitereien mit nervigen Verteidigern und Auseinandersetzungen vor Gericht. Ich denke, es war eine gute Entscheidung, kein Jahr Elternzeit zu nehmen, wahrscheinlich könnte man mich schon nach drei Monaten in die Psychiatrie einliefern gg.
Und das Baby macht es sich immer noch in meinem Bauch gemütlich. Na ja, offiziell hat es ja auch noch 11 Tage. Es wälzt sich immer noch kräftig hin und her, und so langsam kann ich überhaupt nicht mehr sagen, wie rum es denn eigentlich liegt. Ich habe tagsüber jede Menge Wehen, die aber genauso schnell wieder verschwinden, wenn ich anfange darüber nachzudenken, ob es denn nun ernst werden könnte. Ich bin sehr gespannt, wann es sich denn auf den Weg machen wird. Aber jetzt müssen wir wohl tatsächlich noch den Dienstag abwarten, da hat die Große ihren ersten Schultag am Gymnasium, und bei der feierlichen Begrüßung möchte ich natürlich dabei sein. Aber danach dann bitte jederzeit gerne.
Heute ist Dein 4. Geburtstag, ein großer Junge wärst Du jetzt schon. Vier Jahre ohne Dich, so nah und doch so fern, nicht bei mir und doch jeden Tag ein Teil meines Lebens. Manchmal weiß ich nicht, wie ich diese Zeit ohne Dich aushalten konnte. Irgendwie geht es, weiter und immer weiter.
Wir waren vorhin bei Dir auf dem Friedhof. Deine kleine Schwester hat Dich überall gesucht, man kann ihr natürlich noch nicht so recht erklären, daß wir Dich nicht sehen können, wenn wir Dich besuchen. Sie fragte immer nur, wo Du denn wärst, ob Du schon weggegangen wärst, aber sie hat sich gefreut, Dir Blumen und ein kleines Schaf bringen zu können, in Deinen Garten. Sie stellte etliche Fragen, ob das denn ein Kindergarten wäre, ob Du auch Spielzeug hast, warum da ein Schnuller auf Deinem Grab ist. Irgendwann wird auch sie es verstehen, so wie Deine große Schwester es tut.
Und unter meinem Herzen trage ich Dein kleines Geschwisterchen, das sich jetzt jeden Tag auf den Weg machen kann. Diese Schwangerschaft ist so parallel zu Deiner, daß ich schon fast damit gerechnet habe, daß mir auf dem Friedhof die Fruchtblase platzt und Ihr auch noch Deinen Geburtstag teilen würdet. Aber das ist nicht passiert, und es ist auch schöner, wenn Ihr alle Euren eigenen Geburtstag habt. Gewundert hätte es mich aber nicht.
Mein lieber kleiner Sohn, Du bist für immer in meinem Herzen. Ich werde Dich nie vergessen.
Deine Mami
Habe Dich sicher in meiner Seele. Ich trag Dich bei mir, bis der Vorhang fällt.
Nun war es soweit, und die Kleine hat gestern ihren 3. Geburtstag gefeiert. Sie selbst bezeichnet sich übrigens schon seit einer Weile als "mittelgroß", paßt ja bald eigentlich auch ganz gut. Gestern war nun jedenfalls ihr Tag, und sie kriegte sich auch kaum wieder ein, ihr Adrenalinspiegel muß die meiste Zeit echt an der Oberkante gewesen sein. Aber es war wirklich ein schöner Tag. Sie hat sich total über ihre Geschenke gefreut (jetzt "arztet" sie immer mit ihrem neuen Arztkoffer gg). Nachmittags kam einer ihrer Kindergartenfreunde, und die beiden haben super gespielt, eigentlich sogar zu dritt, denn seine große Schwester war auch mit dabei, kein Streit oder so etwas. Kuchen wurde natürlich auch serviert, die Große hatte einen Schokoladenkuchen mit Hochzeitstorten-Deko verziert, und außerdem gab es Lillifee-Muffins, die großen Anklang fanden. Heute morgen wollte sie dann gleich wissen, ob sie nun immer noch drei wäre. Meine kleine Große (oder Mittelgroße gg), jetzt wird sie wirklich schon ein "richtiges" Kindergartenkind.
Heute mußte ich sie dann aufgrund von Kindergartenferien auch gleich mit zur Frauenärztin nehmen, was sie auch durchaus spannend fand. Sie war auch sehr geduldig beim CTG und schaute sich den Ultraschall an (am interessantesten fand sie wohl, daß da kleine Bilder ausgedruckt wurden gg), als mir allerdings Blut abgenommen wurde, wurde sie doch ein wenig kleinlaut und wollte lieber wieder weg. Das war heute aber auch nicht ganz einfach, und es mußte mehrmals gepiekst werden, bis sie eine gute Vene gefunden haben. Es war aber alles in Ordnung, alle Werte gut, nur daß der Zwerg sich jetzt wieder mit dem Po nach unten begeben hatte. Wie kann man nur noch so agil sein? Ende der 37. Woche ist es doch nun wirklich nicht mehr nötig. Jetzt bin ich jedenfalls gespannt, ob es sich wieder zurückgedreht. Die Ärztin war heute schon ein wenig ruhiger und meinte, daß wir uns dann doch mal langsam Gedanken über eine entsprechende Geburt machen müßten. Ich schiebe das noch von mir weg. Vorhin hat es im übrigen schon wieder so rumort, daß ich nicht sicher bin, ob es nicht schon wieder richtig rum liegt.
Ein wenig gespenstisch ist es aber gerade: Morgen vor genau vier Jahren ist Adrian gestorben, und ich war in der Woche 36+6. Und morgen bin ich genau wieder bei 36+6. Diese Parallelen sind schon eigenartig, ein wenig beängstigend, ein wenig tröstlich, ich weiß nicht genau. Freitag werden wir jedenfalls seinen Geburtstag feiern, ich habe schon ein Rosenherz bestellt. Und ich hoffe einfach mal, daß es Dinge gibt, die sich nicht wiederholen.
Gerade genieße ich die wohl letzten ruhigen Tage meines Mutterschutzes, der immerhin schon seit einer Woche angefangen hat. Ab nächste Woche ist der Kindergarten der Kleinen für drei Wochen geschlossen, und danach bin ich wahrscheinlich reif für die Kur bei der wilden Hummel. Die Große ist ja auch nicht gerade schweigsam, aber sie verzieht sich doch hin und wieder in ihr Zimmer und liest oder hat Besuch, und dann darf ich ohnehin nicht mehr stören gg.
Bisher habe ich sogar neben ein paar Akten allerlei erledigt. Zahnarzt für alle war angesagt, außerdem habe ich aus dem Zimmer der Großen mehrere Müllsäcke rausgeholt, sie wünscht mich vermutlich inzwischen dringend ins Büro zurück. Wir haben einige Erledigungen geschafft, und heute habe ich mich sogar daran gesetzt, Babysachen zu waschen, die erste Maschine ist schon fertig. Aber ganz geheuer ist mir das zugegebenermaßen nicht. Bei Adrian hatten wir auch gerade alles fertig, als er starb. Zimmer eingerichtet, Wäsche gewaschen, alles bereit gelegt, und drei Tage später war er tot. Andererseits brauche ich ja ein paar Sachen für das Baby und kann nicht erst alles fertig machen, wenn es da ist.
Bis auf diesen kleinen Bruch jetzt bin ich eigentlich bisher sehr entspannt in dieser Schwangerschaft. Die 37. Woche kommt allerdings auch erst noch, nächste Woche nämlich. Bisher ist jedenfalls alles in Ordnung. Das Baby ist außerordentlich aktiv und scheint sich immer noch im Bauch hin und her zu drehen. Es hat wohl schon an die 2,5 kg, und ein bißchen hoffe ich, daß es sich vielleicht ein wenig früher auf den Weg macht. Aber das hoffen wohl alle Schwangeren, wenn es auf das Ende zugeht, ohne daß dieser Wunsch unbedingt erfüllt wird. Ich würde jedenfalls gerne mal wieder auf dem Rücken schlafen und überhaupt mal wieder schlafen. ohne von innen getreten zu werden.
Im Büro bin ich momentan so zweimal die Woche, sehe meine emails und die Post durch und mache ab und zu was hier zuhause. Richtig viel zu tun ist nicht, das nennt sich wohl Sommerloch, aber es ist ganz angenehm. Letzte Woche kam der Bescheid, daß meine Probezeitverkürzung durch ist. Das heißt, daß ich mich nicht erst nach drei Jahren auf eine Lebenszeitstelle bewerben darf, sondern schon nach 1,5 Jahren, und die sind bereits um. Also habe ich sofort eine entsprechende Bewerbung rausgeschickt und bekam auch prompt die Aufforderung, mich beim Amtsarzt vorzustellen zwecks Untersuchung auf Tauglichkeit gg. Den Termin dort habe ich in knapp drei Wochen, das wird bestimmt lustig, wenn ich dort mit meinem Bauch auftauche. Aber ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn es bald mit einer Planstelle klappt. Wenn man sich die Sparpläne der Landesregierung anschaut, sollte man vermutlich nicht zu lange damit warten, sich auf Lebenszeit einstellen zu lassen.
Ansonsten entspanne ich mich, soweit es eben geht. Ich mache sogar Mittagsschlaf, der aber immer gerne von allerlei Telefonanrufen unterbrochen wird. Letztes Wochenende war ich mit der Kleinen in Bielefeld, das war sehr schön. Wir sind mit dem Zug gefahren (dem "ABC", wie die Kleine meint), und sie fand es toll, hat aber kräftig ihr Temperament dort entwickelt und ist überall herumgeklettert. Nach den Sommerferien werde ich schauen, ob ich irgendwo eine vernünftige Turngruppe oder so etwas für sie finde. Ich glaube, sie braucht entschieden Bewegung.
Uff, teilweise schafft mich die Hitze ganz schön. 35 Grad im Schatten muß ich wirklich nicht haben, da merke ich dann so richtig, wie mein Kreislauf in den Keller sackt, und ich verbringe die meiste Zeit vor mich hindämmernd auf dem Sofa. Zum Glück sind nicht alle Tage so heiß, und zwischendurch kühlt es sich immer wieder mal ab. Ansonsten geht es mir aber gut, und das Baby ist schon kräftig gewachsen. Nach letzten Messungen der Uni-Klinik soll es schon über zwei Kilo haben, auf jeden Fall fühlt es sich an wie zwei Kilo, wenn es sich in meine Lunge bohrt gg. Es ist jedenfalls sehr munter und rumort kräftig. Ich kann gar nicht recht glauben, daß es nur noch 6 Wochen dauern soll, bis es kommt. Oder auch immer noch 6 Wochen, wie man es eben sieht.
In drei Tagen fängt jedenfalls mein offizieller Mutterschutz an, nicht daß es einen großen Unterschied zu jetzt machen würde, denn ich habe ja ohnehin schon Urlaub. So ganz habe ich mich an diesen Zustand noch nicht gewöhnt, aber ich habe dafür die letzte Woche so mit Terminen vollgepackt, daß ich trotzdem gut ausgelastet war. Mehrere Arzttermine, dann war ich mit der Großen beim Friseur und allerlei Dinge einkaufen, aufräumen, und "nebenbei" habe ich ja auch noch allerlei Akten hier liegen. und mußte ins Büro, um meine Post durchzusehen. Also kann ich mich über Langeweile zum Glück nicht beklagen. Hier zuhause zu arbeiten, klappt bisher recht gut, und an meinem neuen Schreibtisch ist es sehr gemütlich. Man hat mir allerdings ein paar wüste Uralt-Verfahren aufgeschwatzt, durch die blicke ich noch nicht so ganz durch.
Ich bin allerdings tatsächlich ganz froh, daß ich momentan keine Gerichtstermine wahrnehmen muß. Bei der Wärme ist es unter der Robe unerträglich heiß, und bei meinem letzten Prozeß wäre ich fast umgekippt, als ich im Stehen die Anklage verlesen mußte (ich habe dann lieber im Sitzen weitergemacht gg). Spannend war der letzte Prozeß aber trotzdem, eine meiner eigenen größeren Sachen, die wir zwar vorher ausgedealt hatten, aber man weiß ja trotzdem nie, wie es sich entwickelt. Der Angeklagte war jedenfalls ein echter Herr (ein ehemaliger Professor von mir) und der Verteidiger auch (ebenfalls ein ehemaliger Professor vor mir), die mir nach dem Urteil sogar noch anboten, meinen Aktenkoffer zu tragen gg. Das habe ich allerdings abgelehnt, denke aber, daß das Urteil wohl akzeptiert wurde. Ein ganz guter Abgang wie ich finde.
Morgen bekommen wir Besuch von der gesamten Krippengruppe der Kleinen, das machen die regelmäßig, und sie freut sich schon sehr. Ich bin ganz froh, daß auch die Erzieherinnen dabei sind und ich die Kleinen nicht alleine händeln muß. Aber es wird bestimmt lustig. Nachmittags habe ich dann ihr Aufnahmegespräch für die Tigergruppe, auch die Kleine wird langsam groß. Nächstes Wochenende fahre ich mit ihr zu Karin und Annika, während Frank sich mit der Großen nach London absetzt. Wird also ein spannendes Wochenende.
Erwähnte ich schon, daß ich Umstandskleidung auf die Dauer schrecklich finde? Insbesondere die Hosen sind fürchterlich. Sie sind aus abenteuerlichen Stoffen, Baumwolle gehört jedenfalls nur sehr am Rande dazu, so daß man spätestens mittags völlig durchgeschwitzt ist. Beliebt sind auch Hosen im "Girlie-Look", mit denen man sich bei einer seriösen Arbeitsstelle schon gar nicht sehen lassen kann oder irgendwelche schlabbrigen Dinger. Irgendwie war das anders, als ich mit der Großen schwanger war, da hatte ich nicht solche Probleme, etwas vernünftiges zum Anziehen zu finden (wenn man mal davon absieht, daß zu der Zeit auf jeden Kleidungsstück Herzchen, Bärchen oder mindestens Blümchen zu finden waren). Jedenfalls freue ich mich auf den Moment, in dem ich endlich mal wieder eine stinknormale Jeans anziehen kann, vorzugsweise eine eng anliegende, und mal wieder einen Reißverschluß schließen muß und außerdem Hosentaschen habe. Zum Glück ist das Ende so langsam absehbar. Bis dahin könnte vielleicht jemand dem Baby noch sagen, daß man seine Füße oder andere Körperteile nicht zwangsläufig ständig in meine Lunge stecken muß. Dann klappt es auch besser mit dem Atmen.
Neulich habe ich mir ein Eltern-Sonderheft "Geburt" gekauft. Warum ich das gemacht habe, weiß ich gar nicht so genau, eigentlich kenne ich mich ja ganz gut aus. Aber ich dachte, daß ich mich vielleicht mal wieder ein wenig mit diesem Thema beschäftigen muß. Die Folge war allerdings, daß die Große das Heft höchst interessiert von vorne bis hinten gelesen hat, und mir seitdem allerlei Fragen darüber stellt, wie ich mir denn die Geburt vorstelle. Ob ich eine Wassergeburt möchte oder lieber im Liegen entbinden möchte. Bei der Hitze momentan kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen, stundenlang im warmen Wasser rumzuliegen. Die Kleine sieht das pragmatischer und ist der Meinung, daß man das Baby einfach mal zwischendurch durch den Bauchnabel herausholen könnte. Ansonsten stillt sie sicherheitshalber immer mal wieder ihre Puppe, früh übt sich schließlich.
Morgen bricht schon meine letzte Arbeitswoche an, und ich kann das noch gar nicht recht glauben. So richtig begeistern tut es mich auch nicht, es macht mir so viel Spaß, daß ich einfach weitermachen würde. Allerdings habe ich zugegebenermaßen schon allerlei Akten hier liegen und welche bereit im Büro, so daß ich dann zumindest von hier aus noch weitermachen kann. Morgen entscheidet sich auch, ob mein Antrag auf teilweise Heimarbeit genehmigt wird, die große Abteilungsleiterrunde trifft sich. Ich bin ja schon gespannt, aber eigentlich ganz optimistisch. Ein bißchen früher hätten sie das allerdings ruhig überlegen können.
Letzte Woche war außerdem Betriebsausflug, diesmal bei super Wetter, so daß ich nicht mehrmals naß geworden bin. Wir waren in Hamburg, erst im Zollmuseum, dann in der Hafencity und schließlich essen, und es war sehr nett. Insbesondere konnte man in der Hafencity wunderbar auf Liegestühlen sitzen und bei einem geeisten Latte macchiato die Schiffe auf der Elbe beobachten. Das hat mir dann allerdings einen kleinen Sonnenbrand eingetragen. Wahrscheinlich hätte ich es mit unserer neuen Personalchefin halten sollen und mit einem Stroh-Sonnenhütchen (mit Schleife nicht zu vergessen) erscheinen. Die neuesten Nachrichten über Stellen und weitere Schwangerschaften habe ich so auch erfahren. Am Donnerstag ist noch Hoffest, da wird es hoffentlich ähnlich nett werden.
Wenn man erst einmal den Faden verloren hat, ist es wirklich schwer, wieder reinzukommen. Aber da mich Fußball nur sehr am Rande interessiert und ich noch nicht so recht müde bin, werde ich die Gelegenheit nutzen und mal wieder etwas schreiben.
Nachdem mich über Pfingsten eine Kehlkopfentzündung erwischt hatte, die tatsächlich dazu geführt hat, daß ich fast drei Wochen kaum sprechen konnte (und mit dem Singen ist es immer noch so eine Sache), geht es mir inzwischen wieder gut, und ich verliere so langsam den Spitznamen Zarah Leander. Ich wußte gar nicht, daß es so nervig ist, nicht vernünftig reden zu können, und mir war auch nicht bewußt, daß ich scheinbar normalerweise den ganzen Tag lang kaum anderes tue, als zu reden. Frank hat das sicherlich schon lange geahnt.
Ich bin zwischenzeitlich in der 31. Woche angelangt und habe so langsam das Gefühl, daß diese Schwangerschaft auch irgendwann einmal ein Ende nehmen wird. Ob es normal ist, daß es einem jedesmal länger vorkommt? Ich dachte immer, daß die Zeit immer schneller vergehen müßte, wenn man schon Kinder hat, die einen in Beschlag nehmen, aber ich kann das so nicht bestätigen. Aber nun geht es ja in das letzte Viertel. Ich habe mir einen ziemlich runden Bauch zugelegt, und das Baby ist sehr munter, schlägt noch Purzelbäume und hat andauernd Schluckauf, was mich immer zum Grinsen bringt. Trotz des Bauches bin ich noch recht fit, kein Vergleich zu der Schwangerschaft mit der Kleinen. Nur bei der Namenssuche tun wir uns sehr schwer, aber das war bisher ja immer so gg.
Die Große hat zwischenzeitlich den Platz an ihrem Wunschgymnasium bekommen und genießt nun ihre letzten Grundschultage, die nur noch aus Abschlußfeiern zu bestehen scheinen. Sie freut sich schon auf das neue, ein wenig aufgeregt ist sie natürlich auch, und ich glaube, erstmal kann sie die langen Sommerferien gut gebrauchen, die ja bald losgehen. Ihre größte Freude sind momentan unsere Babyfische, die aber auch wirklich ganz reizend sind.
Die Kleine hat die Trotz-Brüll-Phase abgelegt (*aufHolzklopf*) und dafür die warum-Phase eingeleitet. Pro Tag stellt sie etwa 597 Fragen, die nicht nur mit warum beginnen, aber doch zu einem großen Teil. Das war besonders günstig in der Zeit, als ich nicht reden konnte, denn sie besteht auf einer Antwort und wird manchmal richtig muffig, wenn man aus welchen Grunden auch immer nicht oder nicht sofort etwas sagt. Meistens erklärt sie mir hinterher dann noch, warum meine Antwort nicht richtig war gg. Aber ich finde es wieder faszinierend, welche Fragen ein so kleiner Mensch schon über die Welt stellen kann und welche Zusammenhänge sie erkennt. Sie redet den ganzen Tag lang wie ein Buch, und eigentlich könnte man ständig ihre Sprüche aufschreiben. Ab Ende August kommt sie dann auch endlich in den "richtigen" Kindergarten und wird ein stolzer Tiger bei ihrem Lieblings-Erzieher.
Beide Mädels sind total süß, was die Schwangerschaft angeht. Jeden Morgen ist die erste Frage der Großen, was das Baby gerade macht, und die Kleine erkundigt sich schon beim Frühstück, ob das Baby denn nun auch Müsli essen würde. Wenn ich in der Sonne liege, wird mir der Bauch eingecremt, damit das Baby keinen Sonnenbrand bekommt. Mir werden Spieluhren unter das T-Shirt geschoben, damit es Musik hören kann, oder der Bauch zugedeckt, damit es nicht friert. Die Kleine scheint es überhaupt nicht verwunderlich zu finden, daß man das Baby noch nicht sehen kann und erzählt ihm trotzdem schon längere Geschichten und stellt auch darüber zig Fragen (bei der Antwort, daß es im Bauch nackidei ist, hyperventilierte sie allerdings fast vor Erstaunen gg). Manchmal möchte sie wissen, ob es nicht zwischendurch mal rauskommen könnte und als ich ihr erzählte, daß ich beim Arzt war, war sie der festen Meinung, dieser hätte das Baby rausgeholt, untersucht und dann wieder in den Bauch gelegt. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es wird, wenn das Baby dann wirklich da ist, und vorsichtig optimistisch, daß bei es gut finden werden.
So langsam sind auch meine letzten Arbeitstage angebrochen, mit den Sommerferien habe ich erst Urlaub, der dann direkt in den Mutterschutz übergehen wird. So richtig wild bin ich workaholic gar nicht auf so viel freie Zeit, und ich werde zumindest den Juli über auch noch inoffiziell weitermachen und auch danach noch meine Hand auf meinem Dezernat halten gg. So, wie es bisher aussieht, wird es dann nach dem Mutterschutz klappen, daß ich erstmal weitgehend von zuhause aus arbeiten kann, so daß ich gleich wieder einsteigen werde. Das ist für die ganzen älteren Herren bei uns natürlich eine Herausforderung, aber bisher habe ich ganz positive Signale gehört. Länger aussteigen möchte ich auch nicht, schon um nicht mein wunderschönes Büro wieder abgeben zu müssen, das ich gerade so liebevoll eingerichtet habe gg (zum Leerräumen habe erst recht keine Lust). Bis zum Urlaub liegen aber noch zwei interessante Prozesse, der Betriebsausflug, das Hoffest und mündliche Prüfungen bei meinen Polizisten an, so daß ich über Mangel an Beschäftigung nicht klagen kann (wäre ja auch noch schöner), zumal ich auch noch einige Akten vom Tisch bekommen möchte. Die übelsten Verfahren habe ich aber schon erledigt. Es macht immer noch total viel Spaß, und ich bin froh, daß ich weitermachen und das hoffentlich alles einigermaßen gut verbinden kann.
Und jetzt hoffe ich erstmal, daß ich mich nun wieder öfter aufraffe. Immerhin habe ich gerade einen wunderschönen Schreibtisch ins Wohnzimmer bekommen, nachdem mein Arbeitszimmer der Großen "zum Opfer" fallen soll.